Wieso ein Berner Grafiker in sieben Tagen zu Fuss 150 Kilometer
wandert – in seinen Ferien. 

Ein Interview mit Silvio Brügger.

Silvio Brügger ist Grafiker.
In seiner Freizeit geht der in seinen Dreissigern steckende Berner wandern. Auf den Simplon, ins Gasterntal, auf das Mutthorn. In seinen Ferien macht er Trekks durch von Bären bewohnte Nationalparks in Kanada oder über Pässe in Lappland, die unerwartet im arktischen Frühling von Schnee heimgesucht werden.

Die dichten Wälder des Kanadischen Assiniboine und die endlos scheinenden Täler Lapplands dokumentiert Silvio mit wunderschönen Fotos, mit denen es ihm gelingt eine Stimmung einzufangen, die in die Ferne zieht und Lust macht, die Natur zu erkunden.

Diese Eindrücke teilt er mit seinen über 10'000 Instagram-Followern oder auf seiner Homepage. Nun auch mit Kitchener.

Was ist der Ansporn, für einen 150 Kilometer langen Trekk durch Lappland? Geben einem absolvierte Distanzen Bestätigung? Und warum ist es wichtig, das richtige Material dabei zu haben?

Wir haben nachgefragt:
Ein Interview mit einem Suchenden, der ewig findet.

Sind das Wanderungen? Oder Trips? Oder einfach Abenteuer?

Für mich sind es Wanderungen. Bei denen das Abenteuer (stets) mitspielt: es kann sein, dass ich tagelang im Ungewissen marschiere und nicht weiss, ob ich mein Ziel erreichen kann, oder ob ein Pass passierbar ist.

Ist deine Motivation für solche Trekkingtouren eher sportlicher oder geistiger Natur?

Für mich wohl eher geistiger oder besser gesagt visueller Natur. Draussen zu sein und die Eigenheiten der Landschaft zu entdecken, diese auch mit der Kamera festzuhalten. Doch eine gewisse körperliche Fitness braucht es und ist auch Mittel zum Zweck. Je nach Tour spüre ich das Mehrgewicht am Rücken dann schon.

Inwiefern hat Ehrgeiz damit zu tun?

Klar bin ich immer wieder stolz auf das, was ich geleistet habe. Doch geht es mir nie darum, möglichst viele Kilometer in kürzester Zeit zu erlaufen. Viel wichtiger sind für mich die einzelnen Momente unterwegs. Täler, die sich vor einem auftun oder Berge, die langsam näher kommen - die Natur zu erleben.

Was sind deine Inspirationen für eine spezifische Wanderung? Und was war ausschlaggebend für die Wahl deines letzten Trips?

Inspirationen finde ich in Wanderkarten, Landschaftsfotos aus dem Internet oder in Magazinen und Fachliteratur. Für den letzten Trip von Abisko nach Vakkotavare nahm ich zwei Freunde und Trekking-Neulinge mit. Darum wählten wir eine technisch nicht so anspruchsvolle Route, die mit einer Grundfitness gut zu meistern ist. Da sich aber der arktische Frühling in Lappland gerne hinauszögert, war der Pfad vielerorts noch unter Schnee begraben. So wurde die Tour trotzdem zu einem anspruchsvollen aber tollen Abenteuer.

Gibt es Momente während einer Wanderung, in denen du am Sinn, an der Weiterreise, an körperlichen oder an geistigen Fähigkeiten zweifelst?

Bei jeder längeren Wanderung komm ich an einen Punkt, an dem ich zweifle. Sei es, weil ich im Eisregen das Nachtessen zubereiten muss, weil die kanadischen Karten manchmal doch nicht so genau sind, oder weil ich bei jedem Schritt, den ich mache, knietief im nassen Schnee versinke. Doch solche Momente sind im Nachhinein die schönsten – Momente, an die ich mich am liebsten zurück erinnere.

Ist es wichtig, nicht alleine unterwegs zu sein?

Ich bin gerne zu zweit oder zu dritt unterwegs. Zusammen fühlt man sich sicherer, wenn mal was passieren würde oder einem ein Bär über den Weg läuft. Auch kann man vieles teilen, wie etwa das Gewicht der Ausrüstung, Erlebnisse vom Vortag oder Gedanken, über alles und nichts. Schön ist auch, sich einfach mal nicht ums Zeltlager, die Wasserbeschaffung, ums Essen oder Abwaschen kümmern zu müssen. Doch ab und an reizen mich auch Solo-Hikes, denn diese sind eine ganz besondere Natur- und Eigenerfahrung, die man aber nur mit sehr guter Planung und Vorbereitung antreten sollte.

Welche Rolle spielt das Fotografieren bei einem solchen Trekk?

Fotografieren spielt bei meinen Wanderungen eine grosse Rolle. Sowohl um meine Eindrücke der Landschaften festzuhalten, wie dem, was ich erlebe, eine Gestalt zu geben. Da nehme ich ein Kilogramm mehr Gepäck für die Kamera gerne in Kauf.

Was ist für dich Equipment-technisch wichtig? Lightweight, packable, hightech, classics, comfy?

Ich bin sehr design- und technikinteressiert, darum sind für mich Begriffe wie hightech, packable und lightweight wichtig. Gut daran ist, dass diese Eigenschaften meistens zusammen einhergehen.

Bist du ein Wanderer? Ein Sportler? Ein Suchender? Ein Finder? Ein Teilzeitnomade? Oder einfach ein Berner mit Wanderschuhen?

Ein ewig Findender.

Hast du eine Traumdestination? Oder ein Ziel?

Mein nächstes Ziel ist Kirgistan und dessen hohe Bergmassive und traditionelle Routen. Mein Traumziel ist und bleibt Baffin Island.

Silvio Brüggers Essentials:

  • Hyperlite Mountain Gear 4400 Porter Pack + Porter Stuff Pack, Rucksack
  • Western Moutaineering Apache, Schlafsack
  • Patagonia Nano Puff Vest
  • Smartwool Socken
  • 1l Sigg Flasche
  • Fujifilm x100t, Fotokamera
  • Kitchener Aaresack, entweder als Wassertrage oder als Proviantsack
 
 

Wir hoffen, dass vielleicht einigen nach diesem Interview klar wird, wieso es eine Bereicherung sein kann, in die Natur zu entfliehen und sich inspirieren zu lassen.

Die Wichtigkeit des Begriffs lightweight zeigt sich in der Tatsache, dass 16 Kilo Packgewicht für Silvio reichen, um eine Woche unterwegs zu sein.

Lightweight bezieht sich jedoch nicht nur auf eine Trekking-Ausrüstung – going light ist ein Lifestyle, in dem es darum geht, auf Abenteuern weniger zu schleppen: weniger Gepäck, weniger Gedanken, weniger Unnötiges. Es geht um Einfachheit, um Rationalisierung eines Systems, damit nur das mit kommt, was wirklich nötig ist.

Alle Fotos sind von Silvio Brügger.
www.brggr.ch - Instagram: @brggr

Dieser Artikel ist der Beginn einer Reihe, in der Kitchener versucht, Menschen zu zeigen, die anders sind. Anders in Hinsicht auf ihre Hobbies, ihre Interessen oder ihre Philosophie. Seien dies Sportler, Abenteurer, Produzenten oder anderweitig Kreative. Protagonisten der Maker- Bewegung. Werdende oder schon Gewordene. Ein Versuch, ein Spektrum im grossen Ganzen zu beleuchten.

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